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Jazztage 2006

Chronik der Jazztage - 2008 - 2007 - 2006 - 2005 - 2004 - frühere Jahre

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Ingolstädter Jazztage 2006 – Workshops an Schulen

Ganz im Zeichen der Gitarre standen die diesjährigen Workshops für Schulen bei den Ingolstädter Jazztagen.

Tony Bulluck und Thomas Fellow glänzten als Dozenten für die beigeisterten Teilnehmer.

Der Bericht im Donaukurier von Karin Derstroff fing die tolle Atmosphäre bei diesen Workshops ein:

Wolfgang Riffelmacher

Weil Musik nicht kompliziert sein muss

„Do You Speak Jazz?" Workshop am Gnadenthal-Gymnasium mit Tony Bulluck und Thomas Fellow

Von Karin Derstroff

Ingolstadt (DK) Ein Privatkonzert. Ein kleiner Eindruck des großen Blues. Wie Tony Bulluck, amerikanischer Meistergitarrist, mit dem Bayerischen Bluespreis und einem Oskar des Deutschen Rock- und Popmusikerverbands ausgezeichnet und nun für zwei Tage als Dozent der Reihe „Jazz in den Schulen" im Gnadenthal-Gymnasium engagiert, im Zentrum des Stuhlkreises mit zwölf jungen Leuten steht, wie er Santanas „Black Magic Woman" instrumental und vocal intoniert und wie er dann - bebende Aufmerksamkeit um ihn - das weltbekannte Stück als Blues erklingen lässt, ist ein ganz besonderer Moment.

Einer von vielen dieses Vormittags. „Ich hab noch nie jemanden gehört, der so Gitarre spielen kann", sagt etwa ein paar Minuten früher und zwei Stockwerke tiefer die Elftklässlerin Belina Koch und meint damit Thomas Fellow. Der, Musikprofessor an den Musikhochschulen in Dresden und Weimar und als Part des Duos Friends 'n' Fellow international bekannt, ist der zweite der Dozenten, die insgesamt 20 Workshopteilnehmer unterrichten: Von der 8. bis zur 13. Klasse, seit zehn Jahren Gitarre spielend wie Belina oder erst seit einem Jahr wie Janina Redl, vom Gnadenthal-Gymnasium und vom Reuchlin-Gymnasium stammend. Eine ausgewählte Schar, die man, so der Organisator der seit elf Jahren am Gnadenthal stattfindenden Jazzworkshops, der Lehrer und Bigbandleiter Wolfgang Riffelmacher, mit der Teilnahme besonders fördern wolle. „Als eine große Chance" bezeichnen denn auch die Teilnehmer der kleinen Akustikgitarrengruppe – neben Belina Koch Lukas Appel aus der 9. Klasse und Simon Mack aus der 10b - unisono den Unterricht bei einem der erfolgreichsten deutschen Musiker seines Genres.

Das sehen auch die Dozenten so, freilich für sich selbst. Er mache das auch, weil er von den Jugendlichen lernen könne, sagt Bulluck, dessen zugewandte, ruhige Art diese unglaubliche Atmosphäre aus Konzentration und Wärme, aus Leichtigkeit und seelenvoller Musik in „seine" Klasse zaubert. Was er lerne?„ Dass Musik nicht so kompliziert sein muss!" Er, der aus North Carolina kommt und lange schon in Deutschland lebt, begreift den Blues auch außerhalb professioneller Pfade als Lebensbereicherung; diese Erfahrung aus seinem Elternhaus wird ihm gerade wieder sehr bewusst. Und was er lehren wolle? Dass diese jungen Leute „die Kraft aus ihrem Inneren nach außen bringen". Eine Kraft, die hier im Kreise, ist Bulluck sicher, alle haben. Thomas Fellow dagegen, der Professor, der sonst Musikstudenten im Einzelunterricht betreut und wie Bulluck niemals zuvor einen Workshop dieser Art geleitet hat, tut's der eigenen Entwicklung wegen. „Generell schöpft man als Musiker aus den Erfahrungen, die man macht", erklärt Fellow. „Und wenn man immer das Gleiche macht, kommt man nicht weiter." Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Fellow sogar zwei Gruppen betreut - die dreiköpfige akustische und die sechsköpfige der E-Gitarren. „Gerade wurden die Pferde dressiert", scherzt er, als er das Trio dem Üben von „Sunny" überlässt und ins nächste Zimmer wechselt. „Jetzt sind die Raubtiere dran!" Die, zwei Mädels und drei Jungen an der E-Gitarre, haben sich die „Löwenzahn"-Melodie für das kleine heutige Abschlusskonzert in der Schule ausgesucht. Bevor sie aber unter den kritischen Ohren Fellows in die Vollen gehen, werden sie erst mal zum Gitarrestimmen verdonnert. Gerade wenn man - wie Janina Redl oder Saskia Kania - später Berufsmusikerin werden will: Grundlagen müssen sein!