Große Anerkennung für eine außergewöhnliche wissenschaftspropädeutische Seminararbeit: Die Abiturientin Magdalena Carla Nußbaumer (rechts im Bild) vom Gnadenthal-Gymnasium wurde mit dem Ingolstädter Abiturpreis 2026 ausgezeichnet. Ihre Arbeit mit dem Titel „Agatha Christie and Poison Murders – What they tell us about women’s role in society in the early 20th century“ überzeugte die Jury durch wissenschaftliche Tiefe, analytische Schärfe und gesellschaftliche Relevanz.
Im Rahmen des W-Seminars im Fach Englisch unter der Leitung von Anja Marberger beschäftigte sich die Preisträgerin mit dem Werk der berühmten Krimiautorin Agatha Christie. Im Fokus stand die Frage, inwieweit Giftmorde in Christies Romanen Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Stellung von Frauen im frühen 20. Jahrhundert erlauben.
Dabei gelang es Magdalena Carla Nußbaumer, literarische Analyse mit historischem und gesellschaftlichem Kontext zu verbinden. Besonders eindrucksvoll untersuchte sie die Wechselwirkungen zwischen der Biografie der Autorin und der Darstellung weiblicher Figuren in deren Werken. Agatha Christie, die im Ersten Weltkrieg als Krankenschwester arbeitete und eine Ausbildung in der Pharmazie erhielt, nutzte ihr naturwissenschaftliches Wissen für die realitätsnahe Darstellung von Giftmorden – ein Aspekt, den die Preisträgerin differenziert herausarbeitete.
Zentraler Bestandteil der Arbeit ist die Analyse der Romane „The Pale Horse“ und „Sparkling Cyanide“. Anhand dieser Werke zeigt die Schülerin, wie sich unterschiedliche Frauenrollen zwischen Tradition und Emanzipation entwickeln. Während Figuren wie Rosemary noch stark an klassische Rollenbilder gebunden sind, stehen andere Protagonistinnen für zunehmende Selbstständigkeit und gesellschaftlichen Wandel.
Besonders hervorgehoben wurde von der Jury die Fähigkeit der Preisträgerin, komplexe Zusammenhänge anschaulich darzustellen und verschiedene Deutungsebenen miteinander zu verbinden. Gift erscheint in ihrer Interpretation nicht nur als Tatmittel, sondern auch als symbolisches Element für Macht, Rebellion und den Wunsch nach Selbstbestimmung von Frauen.
Die vollständig in englischer Sprache verfasste Arbeit belege eindrucksvoll, dass anspruchsvolle literaturwissenschaftliche Fragestellungen auf hohem sprachlichen Niveau bearbeitet werden können. Zudem verdeutliche sie, wie Agatha Christie sich in einem männlich dominierten literarischen Umfeld behauptete und zu einer der erfolgreichsten Autorinnen ihrer Zeit entwickelte.
Die Jury – darunter Dr. Beatrix Schönewald, ehemalige Leiterin des Zentrums Stadtgeschichte der Stadt Ingolstadt – würdigte die Arbeit als „herausragend“ und betonte ihre Bedeutung für das Verständnis der gesellschaftlichen Entwicklung von Frauen im 20. Jahrhundert.
Die Schulgemeinschaft gratuliert herzlich zu dieser großartigen Arbeit und wünscht der Preisträgerin für ihren weiteren Lebensweg alles Gute und viel Erfolg.
Jean-Marcel Diegeler