Schüleraustausch Ägypten

Studienfahrt des W-Seminars „Ägypten – ein Entwicklungsland im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne“ 
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.

Gemäß diesem bekannten Zitat von Alexander von Humboldt machten sich 12 Schülerinnen und Schüler des W-Seminars "Ägypten" am letzten Tag der Osterferien auf den Weg in die quirlige und chaotische 30-Millionen-Metropole Kairo. Ziel der Studienfahrt war es, durch persönliche Erfahrungen und Expertengespräche, wertvolle Ansätze sowie unterstützende Kenntnisse und Hintergrundwissen für die anzufertigenden Seminararbeiten zu erlangen.  

Ganz im Sinne von Alexander von Humboldt legte die Exkursionsgruppe in den ersten beiden Tagen knapp 30 Kilometer zu Fuß quer durch Kairo zurück. Im Fokus stand insbesondere der entwicklungs- und schwellenländertypische Kontrast zwischen den Wohnvierteln der eher wohlhabenden und eher ärmeren Bevölkerungsgruppen. Es war uns wichtig, die Lebenssituation der Bewohner mit allen Sinnen zu erleben, auch wenn die Eindrücke in einem Land, in dem nahezu zwei Drittel der Bewohner im Bereich der Armutsgrenze leben, für privilegierte Mitteleuropäer nicht immer einfach zu verarbeiten sind. 

Abhängig von den gewählten Seminararbeitsthemen fanden mehrere intensive und sehr fruchtbare Expertengespräche statt. Auf dem Programm stand unter anderem der Austausch mit weiblichen Führungskräften und Unternehmerinnen, einer Frauenrechts- und, Menschenrechtsaktivistin, der Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios in Kairo, der Projektleitung zur Entwicklung informeller Siedlungen in Ägypten (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie weiteren Führungskräften deutscher Einrichtungen in Ägypten und in Kairo lebenden deutschen Expats.  

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch der Deutschen Botschaft auf Zamalek und der damit verbundene Austausch mit den Ressortleitern Politik, Wissenschaft und Energie.  

Zwischen den Terminen fanden auch Besichtigungen der wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten statt, so beispielsweise der Altstadt von Kairo und des Basars Khan el Khalili, des neu eröffneten Grand Egyptian Museum sowie der Pyramiden – wenn auch nur aus der Ferne.  

Bevor die Gruppe am Wochenende zwei Tage in Ain Shokna am Roten Meer südlich von Suez verbrachte, um weitere Einblicke in die touristische Infrastruktur des Landes zu erhalten, stand noch ein Besuch unserer langjährigen Partnerschule Nefertari im Nordosten Kairos auf dem Programm. Die Kolleginnen und Kollegen haben ein tolles Programm organisiert, bei dem die Schülerinnen und Schüler auf beiden Seiten die Möglichkeit hatten, sich sowie die Partnerschule kennenzulernen und Gespräche über das Bildungssystem in Ägypten zu führen. Flankiert wurde der Besuch vom Fachberater für Deutsch der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, welcher die Länder des Nahen Ostens betreut. 

Am Ende der einwöchigen Studienfahrt hatten wir noch die Gelegenheit, die neue Hauptstadt „New Capital“ zu besuchen. Neben dem Central Business District und dem Regierungsviertel, konnten wir sowohl die größte Moschee als auch die größte Kirche des Landes besichtigen. 

Das Programm der Studienfahrt war eng getaktet und die Eindrücke erfolgten sehr konzentriert, dennoch haben sich die Schülerinnen und Schüler vollkommen auf die Stadt, das Land, die Leute und das Programm eingelassen und jede Gelegenheit genutzt, um gedanklich an ihren Themen zu arbeiten.   

Nach einer Woche kamen alle erschöpft, doch um viele Erfahrungen und Eindrücke reicher, wieder im kalten Ingolstadt an. 

Dr. Johannes Eder und Anja Marberger